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BMI-Publikation „Muslime für Freiheit und Vielfalt“

Karimah Stauch: „Der Interreligiöse Dialog“

Eine faszinierende Reise begann für mich vor 15 Jahren, als ich zur Deutschen Muslim-Liga Bonn e.V. (DMLB) und gleichzeitig zum interreligiösen Dialog kam. Die DMLB ist ihrem Selbstverständnis nach „für deutschsprachige Menschen im Islam und ihre FreundInnen“ da. Die Offenheit und Menschlichkeit, der ich in Vorträgen, Predigten und Veranstaltungen begegnete, - hier in Deutschland natürlich in deutscher Sprache – zog mich an und tut es weiterhin. Kontinuierlich erlebte ich Einsatz für mitmenschliche Zivilcourage, gegen Hass und Gewalt, für Standhaftigkeit, Geduld und aufgeschlossenes Miteinander, gegen jede Art von Extremismus, Rassismus, Diskriminierung, Mobbing etc., in Deutschland und Europa wie auch im internationalen Rahmen. Weiterhin war und ist mir wichtig, dass die DMLB die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen und Männern in allen Bereichen und auf allen Ebenen anstrebt und unterstützt, was auch in ihrer Satzung verankert ist.

Meine neuen Freundinnen und Freunde – allen voran Schech Bashir Ahmad Dultz und seine Frau Chadigah M. Kissel – zogen die Inspiration für ihr nunmehr fast 30-jähriges Engagement u. a. aus dem Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen – Frauen und Männern – im muslimischen Andalusien. Ebenso prägte und prägt sie die Tradition nordafrikanischer Städte mit einem Gemisch aus Völkern, Sprachen, Religionen, - Städte, in denen Moschee, katholische Kathedrale, orthodoxe Kirche und Synagoge rund um denselben Platz standen, welchen die Menschen der verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppen in Respekt miteinander teilten. Auch die europäisch-muslimische Geschichte Bosnien und Herzegowinas und das multireligiöse und multikulturellen Zusammenleben in Städten wie Sarajevo über ein halbes Jahrtausend hinweg ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung.

Im Qur’an fordert Gott die Menschen auf, einander kennen zu lernen (Surah 49:13). Die Vielfalt menschlicher Sprachen und Farben wird dort als ein Zeichen Gottes betrachtet (30:23). Demnach wollte Gott von Anfang an die Vielfalt und auch die Verschiedenheit menschlicher Wege, einschließlich der religiösen und spirituellen Wege. So heißt es im Qur’an: "Für jeden von euch haben Wir (Gott) Richtlinien und eine Laufbahn bestimmt. Und wenn Gott gewollt hätte, hätte er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern. Zu Gott werdet ihr allesamt zurückkehren; und dann wird Er euch das kundtun, worüber ihr uneins wart." (5:48) Die Menschen werden also aufgefordert, miteinander im Guten zu wetteifern, bis sie „allesamt“ zu Gott zurückgekehrt sind. Einsiedeleien, Kirchen, Synagogen und Moscheen sind dem Qur’an entsprechend als Orte der Anbetung zu schützen (22:40).

Zweifellos können die Religionen enorme Kräfte des Guten im Menschen freisetzen: Großherzigkeit, Mitgefühl, Durchhaltevermögen, Energie und Inspiration. Es lohnt sich also, den religiösen und spirituellen Kraftquellen der Menschen Beachtung zu schenken und ihnen im Leben und auch im gesellschaftlichen Engagement einen Platz einzuräumen. Dies versuchen die DMLB und ihre Partner und andere zivilgesellschaftliche Akteure in ihren interreligiösen Projekten zu tun.

Eine Veranstaltungsreihe, die von der DMLB seit 22 Jahren getragen wird, ist die Christlich-Islamische Tagung am Pfingstfest. 1988 fand sie zum ersten Mal im Hedwig-Dransfeld-Haus in Bendorf bei Koblenz statt. Initiatoren und Gründer waren der evangelische Pfarrer Horst Eisel, der katholische Theologe Dieter Kittlauß, Schech Bashir Ahmad Dultz und Chadigah M. Kissel, die mit dem Hedwig-Dransfeld-Haus und der DMLB auch ihre jeweiligen Organisationen von einer Trägerschaft überzeugen konnten. Viele Jahre lang fand die Tagung jedes Jahr an Pfingsten - über drei Tage hinweg von Freitag bis Montag - im Hedwig-Dransfeld-Haus in Bendorf statt. In diesem Haus hatten mutige Frauen aus der katholischen Frauenbewegung, vor allem Anneliese Debray, schon früh, in den 70er Jahren, die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs erkannt und diesen visionär gefördert. Nach der Schließung des Hedwig-Dransfeld-Hauses im Herbst 2003 fand die Christlich-Muslimische Tagung an Pfingsten eine neue Heimat in Nordwalde bei Münster, wo sie nun seit 2008 in Kooperation mit der Ev. Akademie Villigst und dem Bendorfer Forum e.V. durchgeführt wird.

Die Tagung hat einen ganzheitlichen Ansatz: Vorträge und Diskussionen haben dort ebenso ihren Platz wie spirituelle Elemente und kreative Workshops wie z.B. Tanz, Musik, Kalligraphie oder eine Schreibwerkstatt. Die Tagungsthemen sind in der Regel gesellschaftspolitische, beispielsweise: • „Sozialer Kitt“ – Was hält Gesellschaft zusammen? • Vorbilder: Inspiration, Ermutigung, Wegweisung - Welche Leitbilder brauchen wir in unserer Gesellschaft? • Werte, Traditionen, Sinn - Generationen im Gespräch • Gerechtigkeit hat viele Gesichter • Dialog in Zeiten der Gewalt • Nachbarschaft im Globalen Dorf – Gemeinsam Leben am Beispiel „Balkan“; • Miteinander leben - Zukunftsperspektiven von Christen und Muslimen in europäischen Ländern.

Kinder verschiedener Altersstufen sind immer bei der Tagung dabei und bereichern das Zusammensein. Während der Vorträge haben die Kinder ihr eigenes Programm. Familien mit geringem Einkommen erhalten finanzielle Förderung, was sehr wichtig ist, um ihnen die Teilnahme zu ermöglichen. Ein paritätischer Anteil von Christen und Muslimen an den Teilnehmenden wird stets angestrebt. So kann der Dialog „auf Augenhöhe“ gelingen. Die muslimischen Teilnehmer/innen sind i. d. R. verschiedener ethnischer Herkunft und haben u. a. deutschen, türkischen, marokkanischen, syrischen, ägyptischen und bosnischen Hintergrund. Auch hinsichtlich des religiösen Hintergrundes gehören die Teilnehmenden verschiedenen christlichen sowie muslimischen Konfessionen und Strömungen an. Schon seit einigen Jahren gibt es auch eine jüdische Beteiligung. 2007 wurde die Tagung als Modellprojekt im Rahmen des „Europäischen Jahres der Chancengleichheit für Alle“ ausgewählt und eine halbstündige Filmdokumentation über sie erstellt.

Eine weitere Veranstaltungsreihe, die seit 1972 in ihrer Kontinuität und Wirkungsgeschichte einmalig ist, ist die „Ständige Konferenz von Juden, Christen und Muslimen in Europa“ (JCM). Diese war ursprünglich im Hedwig-Dransfeld-Haus in Bendorf/Rhein beheimatet wie auch die Christlich-Muslimische Tagung am Pfingstfest. Seit 2005 findet sie in der Ökumenischen Werkstatt in Wuppertal statt – weiterhin jedes Jahr im März eine ganze Woche lang.

Die Teilnehmer/innen kommen vorwiegend aus Deutschland und England, aber auch aus Palästina, Israel, den USA und anderen Ländern. Sie sind Menschen aller Altersstufen und Hintergründe. Die Arbeitsformen der Tagung, die jeweils von Montag bis Sonntag (oder Montag) läuft, umfassen Vorträge, Meditationen, interreligiöse Gesprächsgruppen, kreative Gruppen, Gottesdienste, Text-Studien sowie intrareligiöse Zusammenkünfte, d.h. Treffen von Menschen der drei Religionen jeweils untereinander. Zu den authentischen Gottesdiensten der drei Religionen laden sich die Teilnehmer/innen gegenseitig ein. Die Gäste werden eingeladen, einfach dabei zu sein, sofern sie dies wollen, sei es als Beobachter oder als Teilnehmende, die einmal ausprobieren, wie es ist, „in den Schuhen des anderen zu gehen“.

Die JCM-Konferenz fand erstmalig im Jahre 1972 statt. Zu den Gründern gehörten Rabbiner Lionel Blue, Pater Winfried Mächler und Rabbiner Jonathan Magonet. Auf muslimischer Seite sind Baron Omar von Ehrenfels, der bosnische Gelehrte Smail Balic und Schech Salah Eid, damals ein Heidelberger Student aus Ägypten, als Pioniere zu nennen.

Die DMLBonn ist seit 1986 offiziell die muslimische Trägerin der JCM-Konferenz, ursprünglich gemeinsam mit dem Leo-Baeck-College in London und dem Hedwig-Dransfeld-Haus, Bendorf. Inzwischen sind weitere Träger hinzugekommen, so das Bendorfer Forum für ökumenische Begegnung und interreligiösen Dialog e.V., die Ökumenische Werkstatt Wuppertal, das „Centre for the Study of Islam and Christian-Muslim Relations“ an der Universität Birmingham sowie die Kirchliche Hochschule Wuppertal.

Während zuvor nur vereinzelt muslimische Menschen an der Tagung teilnahmen, war es den Bemühungen der DMLB zu verdanken, dass nach 1986 größere Zahlen von Musliminnen und Muslimen zur Tagung kamen, so dass ungefähr die Hälfte der Teilnehmer/innen Christen und je ein Viertel Juden und Muslime – Frauen und Männer – waren und weiterhin sind.

Das gleichmäßige Zahlenverhältnis von Menschen der verschiedenen religiösen Gruppen ist für einen gelingenden Dialog von großer Bedeutung. Eine solche annähernde Parität macht es möglich, dass alle Teilnehmenden - einschließlich der Minderheiten – authentisch und frei ihre Erfahrungen teilen können, dass die Vielfalt innerhalb der religiösen Gruppen sichtbar wird, dass authentische Gottesdienste durchgeführt werden können und dass den Bedürfnissen aller Beteiligten Rechnung getragen wird und sie gleichberechtigt agieren können.

Wichtig ist für interreligiöse Veranstaltungen auch, dass Menschen aller Religionen gleichermaßen im Planungsteam einbezogen sind. Dies garantiert das nötige Knowhow und Bewusstsein bei der Vorbereitung und schafft das erforderliche Vertrauen bei den Teilnehmenden. Weiterhin haben wir die Erfahrung gemacht, dass die muslimischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Menschen, die ihnen nahestehen, d.h. von Muslimen mit einem entsprechenden Netzwerk, persönlich überzeugt werden müssen, einmal zur Tagung zu kommen. Auch für diese Überzeugungsarbeit sind die Team-Mitglieder und erfahrene Teilnehmende von großer Bedeutung.

Wozu nun das Ganze? Bei den genannten Tagungsreihen handelt es sich um überregionale Veranstaltungen, nicht Aktivitäten vor Ort in einem lokalen Kontext. Welche Wirkung entfalten sie? Warum sind sie wertvoll?

Erst einmal wird in den Veranstaltungen Bildungsarbeit sowie auch Bewusstseinsarbeit geleistet, indem gesellschaftspolitische Themen behandelt werden, kompetente Menschen als Referierende zu Wort kommen, vertiefende Diskussion geführt werden sowie verschiedene Arbeitsformen und ausreichend Zeit für die Reflektion zur Verfügung stehen. So wirken die Tagungen im besten Sinne bildend, aufklärerisch und fördern das gesellschaftliche und politische Engagement.

Weiterhin haben wir regelmäßig feststellen können, dass die Teilnehmenden - im Laufe der Jahre Tausende an der Zahl - am Ende der Tagung wie nach einer langen Reise zwar möglicherweise erschöpft, auf jeden Fall jedoch voller Inspiration sind. Während des tagelangen Zusammenseins wird nämlich deutlich, dass ein harmonisches Miteinander nicht nur theoretisch denkbar ist –die Teilnehmenden erleben es vielmehr selbst in eigener Anschauung: Frieden und gegenseitige Bereicherung sind keine Utopie, sie sind real, machbar und gestaltbar! Hierzu ist einiges Wissen übereinander nötig, guter Wille sowie Freundlichkeit, Kreativität, Geduld und andere gelebte Werte. Erprobte Arbeitsformen und Methoden können dabei hilfreich sein. Diese werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern während der Veranstaltung praktisch erlebt und aus eigener Anschauung gelernt.

Ihre besondere Wirkung entfalten die Tagungen dadurch, dass sie das Zusammenleben mit dem „Anderen“ nicht nur intellektuell auf theoretischer Ebene abhandeln, sondern tatsächlich mit allen Sinnen erfahrbar machen. Entscheidend ist dabei die Vielfalt der Arbeitsformen. Die Teilnehmenden leben mehrere Tage zusammen, haben Gelegenheit, sich aufeinander einzustellen, sich näher kennen zu lernen und sich auszutauschen, sei es in Vorträgen, Arbeitsgruppen, spirituellen Einheiten oder einfach bei einem Spaziergang in der Pause oder bei den Mahlzeiten. Kinder sind dabei und wachsen mit der Selbstverständlichkeit auf, dass Menschen verschiedener Religionen zusammen leben und sich gegenseitig bereichern können.

Diese Erlebnisse inspirieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, nach ihrer Rückkehr nach Hause eigene Dialogaktivitäten zu beginnen oder bestehende - trotz der unvermeidlichen Herausforderungen - mit frischer Kraft fortzusetzen.

So haben die genannten Tagungsreihen immer wieder neue Aktivitäten vor Ort hervorgebracht und genährt, z.B. interkulturelle Aktivitäten vor Ort in Worms oder in Merzig im Saarland und an vielen anderen Orten.

Beispielsweise ist die „Three Faiths Summer School“ in Ammerdown bei Bath in England ein Kind der genannten Tagungen. Seit 1991 findet sie zweijährlich jeweils eine Woche lang auf dem Landsitz des britischen Lords Hylton inmitten einer wunderschönen parkartigen Umgebung statt. Sie ist die einzige mehrtägige jüdisch-christlich-islamische Veranstaltung in Großbritannien, die regelmäßig seit vielen Jahren statt findet. Ebenso war das „Jüdisch-Christlich-Islamische Lehrhaus“, das von 2002 bis 2005 an der Evangelischen Akademie Arnoldshain stattfand, von der Bendorfer Tradition inspiriert. Auch viele andere Aktivitäten unter Beteiligung der DMLB – vor Ort in Bonn, Siegburg, Köngswinter und anderswo - wären zu nennen. International findet man Juden-Christen-Muslime-Veranstaltungen, die durch die JCM-Tagung inspiriert sind, in Australien, Israel/Palästina sowie auch um die älteste Synagoge in den heutigen USA in Savannah.

Natürlich ist die Dialogarbeit keinesfalls immer ein „Zuckerschlecken“, sondern eine Aktivität, die Kraft und harte Arbeit erfordert, die zudem – insbesondere auf muslimischer Seite – fast immer ehrenamtlich geleistet werden muss. An dieser Stelle gibt es ein strukturelles Ungleichgewicht, da Muslime häufig ehrenamtlich tätig sind, während auf christlicher Seite bezahlte Arbeitskräfte, Sekretariate, Räumlichkeiten etc. zur Verfügung stehen. Dieses Ungleichgewicht zu kennen und auszugleichen, so gut es geht, ist für den Dialog ebenfalls von entscheidender Bedeutung.

Bei allen Schwierigkeiten steht jedoch außer Zweifel, dass die Dialogarbeit für ein friedliches Zusammenleben lebenswichtig ist, denn bekanntlich fürchtet man, was man nicht kennt. Dies wissen gerade Minderheiten, wo immer sie leben. Aber auch in den Mehrheiten überall auf der Welt findet man idealistische, aufgeschlossene Menschen, die sich aus voller Überzeigung für das friedliche Miteinander einsetzen.

Noch ein weiteres positives Ergebnis der interreligiösen Arbeit ist hier zu nennen: Das intensive Miteinander im interreligiösen Dialog lässt dauerhafte Beziehungen und Freundschaften wachsen. Menschen verschiedener Religionen, Konfessionen, Lebensumstände und Kulturen werden miteinander vertraut, lernen einander kennen und bauen gute Beziehungen und oft sogar persönliche Freundschaften auf. Dies ist von großer Wichtigkeit. Denn in regelmäßigen Abständen erschüttern gesellschaftspolitische, internationale oder medienpolitische Krisen das Zusammenleben. In solchen Krisen sind im Dialog stehende und im Dialog ausgebildete Menschen von entscheidender Bedeutung. Sie können in ihre jeweiligen Gemeinschaften hineinwirken und Brücken schlagen. Sie wissen aus eigener Erfahrung und Anschauung, was zu sagen und zu tun ist, um deeskalierend zu wirken und das erreichte Miteinander zu schützen, zu bewahren und zu stärken.

Die Dialogarbeit wirkt im Übrigen immer auch interkulturell integrativ, da Menschen verschiedener kultureller – und zudem übrigens auch sozialer wie natürlich weltanschaulicher - Hintergründe gute Verbindungen zueinander aufbauen, so dass der gesellschaftliche Zusammenhalt im Alltag gestärkt wird.

Nach den Ausführungen zu den genannten Tagungen und ihren Strukturen möchte ich nun auf zwei Organisationen eingehen, zu denen ich durch die DMLB kam, die ihre Arbeit seit Jahren fördert und unterstützt. Beide waren auf meinen Weg im Dialog wichtig und sind es weiterhin: die Christlich-Islamische Gesellschaft e.V. (CIG) sowie die United Religions Initiative (URI).

Die Christlich-Islamische Gesellschaft e.V. (CIG) ist ein Zusammenschluss von Menschen im interreligiösen Dialog, die größtenteils Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind. Hierzu gehören Aktivisten und Funktionsträger verschiedener islamischer Organisationen und Verbände, Dialogbeauftragte und andere Funktionäre der evangelischen und katholischen Kirchen sowie ein große Zahl zivilgesellschaftlich Engagierter und Interessierter.

1982 gegründet, ist die CIG die erste Gesellschaft des christlich-islamischen Dialogs in Deutschland. Auch wenn die Mehrzahl ihrer Mitglieder in Nordrhein-Westfalen lebt, ist sie eine überregionale Gesellschaft, die zahlreiche Mitglieder auch in anderen Bundesländern und im Ausland hat. Zu den Aktivitäten der CIG gehört das Christlich-Islamische Forum, in dem sich Menschen aus christlichen und muslimischen Institutionen regelmäßig treffen, um relevante Themen zu besprechen. In einem Mitglieder-Rundbrief informiert die CIG über Dialogveranstaltungen und Termine, dialogrelevante Nachrichten und Neuigkeiten sowie über interessante Publikationen. Auf der Webseite www.christenundmuslime.de (oder www.muslimeundchristen.de) stellt die Gesellschaft interreligiöse Informationen und Knowhow zur Verfügung. In einem aktuellen Projekt der CIG werden – nun schon zum zweiten Mal - in Kooperation mit kirchlichen Stellen muslimische Ehrenamtliche für die Notfallseelsorge ausgebildet.

Die CIG ist Gründungsmitglied im Koordinierungsrat des Christlich-Islamischen Dialogs (KCID), der im Jahre 2003 als bundesweiter Dachverband der christlich-islamischen Dialoginitiativen in Deutschland entstand, welche sich seit 1982 an verschiedenen Orten gebildet haben.

Auch für die CIG ist zu betonen, dass ihre Arbeit – ebenso wie in den muslimischen Organisationen und bei anderen freien Trägern interreligiöser Friedensarbeit – zum ganz überwiegenden Teil aus idealistischer Motivation und mit großem Einsatz ehrenamtlich geschieht. Wenn die abrahamischen Religionen – Judentum, Christentum, Islam und die Baha’i-Religion – als „engeren Familienrahmen“ angesehen werden können, ist die Menschheit natürlich viel größer und weiter als dies: Menschen rund um den Globus gehören zu Hunderten von Religionen, Konfessionen und Weltanschauungen, die von den Traditionen indianischer Völker über Hinduismus, Buddhismus, Sikhismus, Jainismus u.a. bis hin zu Humanismus und Atheismus reichen.

Aus der Vision, ein weltweites Netzwerk von Menschen aller Religionen und Weltanschauungen zu schaffen, in dem diese gemeinsam für „Frieden, Gerechtigkeit und Heilung für die Erde und alle Lebewesen“ arbeiten können, entstand die „United Religions Initiative“ (URI).

Die Gründungsarbeiten begannen 1993, als der episkopale Bischof von Kalifornien, Bischof William Swing, einen Telefonanruf von den Vereinten Nationen (UN) bekam und gebeten wurde, Gastgeber für einen Gottesdienst in San Francisco anlässlich des 50-jährigen Bestehens der UN zu sein.

So entstand die Vision, dass Menschen verschiedener Religionen – ebenso wie die Vertreter der Nationen in den UN – zum Wohle der Menschheit zusammen arbeiten.

Nach mehreren Gipfeltreffen an der Stanford University und einem weltweiten Beratungsprozess von Tausenden von Menschen wurde im Jahre 2000 in Pittsburgh die URI Charta unterzeichnet und die „United Religions Initiative“ offiziell feierlich begründet.

„Wir, Menschen unterschiedlicher Religionen, geistiger Wege und indigener Traditionen weltweit, gründen hiermit die „United Religions Initiative“ (URI) mit dem Ziel, eine kontinuierliche und beständige Zusammenarbeit zwischen den Religionen zu fördern, religiös motivierte Gewalt zu beenden und Kulturen des Friedens, der Gerechtigkeit und der Gesundung für die Erde und alle Lebewesen zu schaffen.“ beginnt der Text der URI-Charta.

Innerhalb von zehn Jahren ist das URI-Netzwerk auf fast 500 interreligiöse Mitgliedsgruppen und –organisationen in ca. 75 Ländern auf allen Kontinenten angewachsen. URI hat Beraterstatus bei den Vereinten Nationen (UN). Dort ist URI beim “Department for Public Information” (DPI) und beim “Economic and Social Committee” (ECOSOC) akkreditiert.

Menschen indianischer und indigener Traditionen weltweit sind bei URI aktiv beteiligt. Muslimische Menschen engagieren sich darin ebenfalls auf allen Kontinenten. Insgesamt sind an die zweihundert Religionen und Konfessionen bei URI vertreten. Über E-Mail-Listen und Foren diskutieren Mitglieder Tag für Tag über Weltereignisse und tauschen sich kontinuierlich über Lösungsstrategien für aktuelle Herausforderungen aus.

Zu den Mitgliedern gehören große Organisationen ebenso wie kleine Arbeitskreise und Gesprächsgruppen. Ihre Aktivitäten sind vielfältig: In Russland organisieren Universitätslehrer und Studierende interreligiöse Symposia; in Malawi betreuen Großmütter HIV/AIDS-Waisen; in Pakistan leitet ein katholischer Priester, ein Dominikaner, das Netzwerk der URI-Gruppen und engagiert sich in der Erdbeben- und der Fluthilfe; in Uganda produzieren Menschen verschiedener Religion in einer Kooperative Fairtrade-Kaffee; in Katalonien/Spanien organisiert das UNESCOCAT (Unesco Centre of Catalonya) Konflikt-Mediation in katalanischen Kommunen, gibt einen interreligiösen Kalender heraus, erstellt Landkarten religiöser und säkularer Gemeinschaften in katalanischen Städten, welche es online und auf CD-ROM zur Verfügung stellt u.v.m..

Gemeinsam mit Anke Kreutzer vom „A Center of the World’s Religions“ (ACWR) brachte Schech Bashir die URI-Idee nach Deutschland. Mehrere DMLB-Mitglieder unterzeichneten im Gründungsjahr 2000 die URI-Charta. Im März 2002 wurde die DMLB als erster URI Arbeitskreis in Deutschland registriert. Als ein eigenständiger Verein wurde URI Deutschland e.V. im Jahre 2005 gegründet und 2006 beim Amtsgericht Dortmund eingetragen.

Jede interreligiöse Initiative kann sich als URI-Mitglied registrieren lassen, sofern sie aus mindestens sieben Personen aus mindestens drei Religionen oder Weltanschauungen besteht und die URI Charta als Richtlinie für ihre Arbeit anerkennt. Die Aktivitäten sind frei wählbar und können alles umfassen, was dem „Frieden, der Gerechtigkeit und der Gesundung für die Erde und alle Lebewesen“ dient. Neue Mitglieder sind URI jederzeit willkommen.

Fasziniert hat mich bei URI von Anfang an: • die Bereitschaft, mit verschiedenen Sektoren der Gesellschaft zusammen zu arbeiten, • die Aufgeschlossenheit für neue Methoden der Organisationsentwicklung und einen kontinuierlichen organisationellen Lernprozess sowie • die aufrichtige Bereitschaft, ein dezentrales Netzwerk zu schaffen, in dem regionale und örtliche Sitten und Gebräuche und kulturelle Unterschiede respektiert werden.

Die Reise im interreligiösen Dialog geht also weiter. Sie bleibt bunt, herausfordernd, wachstumsfördernd, manchmal nervenaufreibend, häufig begeisternd und immer interessant. Möge diese Arbeit viele Menschen anziehen und begeistern und möge sie immer wieder reiche Früchte tragen zum Wohle der Menschen und aller Lebewesen in Deutschland, Europa und weltweit sowie unseres Planeten Erde insgesamt.

 

Internet-Links: www.muslimliga.de - Deutsche Muslim-Liga Bonn e.V. (DMLBonn) – für deutschsprachige Menschen im Islam und ihre FreundInnen
www.sufi-tariqah.de - Sufi-Orden Tariqah As-Safinah
www.uri.org, www.uri-europe.eu, www.uri-deutschland.de - United Religions Initiative (URI)
www.chrislages.de - Christlich-Islamische Gesellschaft e.V. (CIG)
www.bendorferforum.de - Bendorfer Forum für Ökumenische Begegnung und Interreligiösen Dialog e.V. - Hedwig-Dransfeld-Haus
www.jcm-europe.org - Ständige Konferenz von Juden, Christen und Muslimen in Europa
www.ammerdown.org - Jewish Christian Muslim Summer School Ammerdown, Somerset, UK
www.zentralrat.de, www.islam.de - Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)
www.muslimrat-bonn.de - Rat der Muslime in Bonn (RMB)

1. Januar 2011 / 26. Muharram 1432

 

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Deutsche Muslim-Liga Bonn e.V. - 1434 / 2013